In Kosovo wurden wir herzlich Empfangen, mein alter Freund Ilir hat sich um alles gekümmert. Wir sind in seiner Heimatstadt Peja zu Besuch. Die Tankstelle “Swiss Oil” war für die nächsten paar Tage unser Quartier. Tankstellen muss man sich hier etwas anders vorstellen – Supermarkt – Hotel – Restaurant – Tankstelle alles in einem. Bei Bier und Shisha lernten wir die Besitzer kennen, beide leben in der Schweiz – sind aber gebürtig aus Peja. Sie waren zu Besuch da, bei unseren Gesprächen habe ich einen besseren Eindruck über Menschen und Kultur bekommen, viele wertvolle Informationen und Tipps über Kosovo erfahren. Das Ehepaar hat in ihrem Leben hart und viel gearbeitet – viel erreicht. Jetzt leben Sie in der Schweiz und haben dort eigene Unternehmen. Sie sind sehr Heimat verbunden, besitzen mehrere Tankstellen in Kosovo und geben bedürftigen Menschen dort einen Job. Der Kosovo unterscheidet sich vom Straßenbild kaum vom den anderen Balkanstaaten, viele nicht fertiggestellte Häuser. Der unterschied von zwischen Arm und Reich ist deutlich zu sehen, eine Mittelschicht existiert nicht wirklich. Eines ist mir sofort aufgefallen hübsche Frauen und Mercedes wohin man auch schaut, jeder der es sich leisten kann oder auch nicht fährt einen Benz.

Aus Peja kommt auch das gleichnamige Bier, richtig süffig das Zeug und mit 1 Euro pro Bier auch noch sehr günstig. In der Gegend um Peja hatten wir eine Menge Spass mit unseren Jeeps – Offroad fahren war angesagt. Die Strasse durch Rugova “Albnische Alpen” führt vorbei an Schluchten und durch Tunnel, immer am Fels entlang.





Weiter geht’s nach Mitrovica. Die Stadt wird durch eine Brücke in den albanischen und serbischen Teil getrennt. Die Albaner und Serben sind immer noch nicht wirklich gut aufeinander zu sprechen. Die Brücke wird von der Kosovo Force, kurz KFOR einer multinationalen militärischen Formation bewacht, überall im Land zeigt diese Präsenz, auch deutsche Soldaten sind vor Ort. Alles hinter der Brücke ist eigentlich noch Kosovo, aber dort bekommt man beim bezahlen schon serbische Dinar zurück.

In Mitrovica lernte ich Floriana kennen – zusammen machten wir uns auf den Weg zur Serbischen Seite, die sie vor 17 Jahren das letzte Mal betreten hatte. Auf einem kleinen Hügel steht ein Denkmal – erinnert mich irgendwie an eine Badewanne. Von hier oben bietet sich ein klasse Ausblick über die Stadt bei Nacht. Sonst gibts in Mitrovica nicht viel zu sehen. Über nacht hat es das erste Mal ein kleines bisschen geschneit. Der Winter kommt!


Priština ist die Hauptstadt Kosovos – ca. 30 Minuten von Mitrovica entfernt. Heute is der 28. November, überall ist die Albanische Flagge zu sehnen. Es ist der Nationalfeiertag der Albaner und das wird ausgelassen gefeiert – auf den Strassen in Priština wird gesungen und getanzt. Für alle Albaner ist dieser Tag ein wichtiger Tag in ihrer nationalen Geschichte.


Die Hipster Scene der Stadt trifft sich entweder im SOMA’s oder im Dit‘ e Nat’. Die beiden Cafés/Bars sind zentral in der Stadt zu finden. Am grossen Tisch traf sich das internationale Publikum – viele sind selbständig und arbeiten von unterwegs. Lennards Auto war in der Werkstatt und so verbrachten wir 3 Tage hier. Das Essen ist Verhältnis mäßig teuer (immer noch sehr günstig für europäische Verhältnisse), Drinks sind ok, die Portionen sehr klein. Trotz alledem hatten wir eine gute Zeit hier und lernten viele coole Leute kennen. Das Bad eignete sich hervorragend für die Morgenhygiene und so waren mit die verwirrten Gesichter sicher, als ich mit meinem Kulturbeutel ins Bad ging. Danke SOMA’s

Prizren hat mich Positiv überrascht, eine sehr schöne kleine Stadt mit Flair. Am letzten Abend in Prizren hab ich einen alten 68’ Defender mit Schweizer Kennzeichen entdeckt. Ich hab nicht lange überlegt und wieder einen Zettel an die Windschutzscheibe geheftet.
“Cooles Auto ! Wir sind im Landcruiser und Nissan Patrol unterwegs. Richtung Indien und Afrika. Meldet euch – Handynummer – Lennard und Ben”



Wie durch einen Zufall traf ich die 2 Schweizer kurze Zeit später in der Bar um die Ecke. 3 Wochen reisen Kathrin und Beatrice mit ihrem Land Rover Defender durch den Balkan. Ich werd den Abend so schnell nicht vergessen – war klasse mit euch, Prost !

Welches Datum haben wir ? Welcher Wochentag ist heute. Keine 3 Wochen bin ich unterwegs und schon bin ich mitten im Reiseleben angekommen. Ich habe das Tag/Zeitgefühl wieder vollkommen verloren. Nur die geschlossenen Geschäfte erinnern mich daran das heute wohl Sonntag sein muss. Ich muss am 21.12.2016 in den Iran einreisen – anderenfalls verfällt mein Visum. Ein schneller Blick in Google Maps verrät mir das ich noch 5000 lange Kilometer vor mir habe. Panik macht sich breit.

In Albanien hatte ich dann auch zum ersten Mal Kontakt mit der Polizei – ich hatte in der Ortschaft überholt (was ziemlich normal ist hier). Die Polizei Kontrolle auf der anderen Strassenseite hatte ich aber übersehen. Die 3 Polizisten versuchten mir in sehr schlechtem Englisch klar zu machen das ich 20 Euro zu bezahlen habe. Man muss wissen – 20 Euro sind in Albanien sehr viel Geld – das ziemlich sicher in ihrer eigene Tasche wandern würde. Auf Nachfrage über ihren Namen, Dienstnummer und einen Beleg wurden aus den 20 Euro ganz schnell 5 Euro. “Discount”. Die anderen Autos grüßten die Polizisten – man kannte sich.






Ich muss so schnell wie möglich in die Türkei – durch Albanien und Griechenland bin ich in 2 Tagen durchgefahren. Auf dem Rückweg werde ich mir mehr Zeit für die zwei Länder nehmen. Vor allem die Landschaft in Albanien hat es mir angetan.

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