Hey Irak
Ich überquere die Grenze zum Iraq, besser gesagt die autonome Region Kurdistan. Ich merke schnell das ich mit Englisch nicht weit komme. Mit Händen und Füßen versuche ich mich zu verständigen, ich zeige auf meinen Pass und die Zollpapiere. Ein Beamter bringt mich in ein Büro, dort sitz ein Offizier der Peschmerga und versucht sein Glück in Kurdisch. Auf seine Fragen antworte ich abwechselnd in Englisch und Deutsch. Schliesslich merkt er, dass Ich kein Wort davon verstehe was er gerade zu mir sagt. Er zeigt mir dem Finger auf Sich und sagt seinen Namen, dann zeigt er auf mich und zuckt mit den Schultern. Ich glaub er will wissen wie ich heisse. “Benjamin”. Jetzt zählt er Städte Namen in Kurdistan auf, er möchte wissen welche Route ich fahre. “Suliyamania – Dukan – Erbil – Barzan – Dohuk” Er notiert sich etwas auf einen kleines Stück Blatt Papier und macht eine Passkopie. Wieder versucht er es in Kurdisch, gibt schlussendlich aber auf. Ein anderer Soldat bringt mich zurück zum Auto. “Passport, Passport” mit dem Finger zeigt er auf ein Gebäude hinten rechts. Das heisst wohl das ich hier meine Visa bekommen. So ist es auch! Für die Autonome Region Kurdistan gilt ein kostenloses“visa on Arrival” für 30 Tage.

Fertig ! Halt nicht ganz. Fast vergesse ich die Einfuhr Papiere für mein Auto zu holen. Etwa $25 Dollar koste die Einfuhr und Versicherung mit dem PKW. Das ganze klappt auch ohne auch nur ein Wort kurdisch zu sprechen, mit ein paar Wörtern Englisch, Handgesten und nickten verstehen wir uns.

Da bin ich als nun. Hallo Kurdistan! Alles ist sehr grün und voller Leben hier. In Suliyamania finde ich einen Couchsurfing Spot, ein etwas anderer als sonst. Ich treffe mich mit Shah, ein netter Kerl mittleren Alters. Er ist selbst viel in der der Welt rumgekommen und hat jetzt ein Hotel in Suliyamania. Hier bekomme ich ein eigenes kleines Zimmer mit Bad. Ich war noch nie in einem Hotel Couchsurfen.









Hier treffe ich auch Jeff, er ist Kanadier und ist mit dem Motorrad unterwegs. Beim gemeinsamen Abendessen mit Shah kommen wir auf Waffen zu sprechen und irgendwie ergibt es sich dann wir uns für den nächsten Tag zum AK schiessen verabreden. Jeff ist sichtlich begeistert, er ist Jäger und ein kleiner Waffen Narr. Im örtlichen Waffenbasar besorgen wir uns Munition für eine AK47, 20zig Schuss für mich und 40zig für Jeff. Keiner stellt uns irgendwelche Fragen oder möchte unsere Ausweise sehen. Wir fahren etwas ausserhalb der Stadt in die Berge. Magazin geladen ! Los gehts ! Die 30 Schuss pro Magazin sind innerhalb von ein paar Sekunden leer. Mal was anderes!



Jeff und Ich haben die gleiche Strecke vor uns und fahren gemeinsam weiter. Von Suliyamania fahren wir nach Dokan, hier ist der Dokan Lake. Die Landschaft ist wunderschön, kleine aber gute Strassen führen durch die Berge im Norden.













Kurden sind sehr stolze Menschen, stolz auf ihr Land, auf das was sie Aufgebaut haben und vor allem auf ihre Armee, die Peschmerga. Jeden den ich treffe grüsst mich freundlich und als sie erfahren dass ich aus Deutschland komme sind sie sehr froh darüber. Die Deutschen haben einen guten Ruf in Kurdistan. Immer wieder höre ich “your Merkel really good, we like. Your President good !” Unter der Regierung von Merkel wurde 2014 eine Waffenlieferung nach Erbil geschickt. Um somit den Kampf gegen den IS zu unterstützen. Es wurden über 16.000 Gewehre, 8000 Pistolen, 10000 Granaten, Maschinenpistolen und Gepanzerte Fahrzeug geliefert. Aber am meisten benötigt wurden die Panzerabwehrlenkwaffensysteme des Typs Milan.
Kurdistan ist wirkt auch mich sehr modern und wohlhabend, zumindest hab ich diesen Eindruck in den grösseren Städten. Ich sehe sehr viele Autos der Oberklasse – Toyota 200 Series, Mercedes S500, Jaguar und viele amerikanische Marken.

Meine Route führt mich durch den Nord Iraq, durch wunderschöne Landschaften mit saftig grünen Wiesen und Wäldern. Es ist Ramadan, ich hab das total vergessen. Am Tag ist nicht viel los, die meisten Restaurants sind geschlossen oder es hängen grosse weisse Tücher davor. Dann sind sie geöffnet aber mann muss hinter den Tüchern essen. Sobald die Sonne untergeht beginnt das Leben auf der Strasse wieder, die Menschen strömen in die Restaurants und schlagen sich die Bäuche voll. Ein paar Tage versuche ich das fasten auch, es ist ganz schön schwierig vor allem nichts zu trinken wenn es sehr heiss draussen ist. Ich habe kaum Kraft und bin extrem antriebslos. Nach einen kurzen Besuch in Erbil fahre ich weiter nach Amedi und Dohuk.








- Streetart
In Dohuk treffe ich João aus Portugal, gemeinsam mit seiner Frau und ihrem Kind. Sie sind in einem umgebauten Mercedes Sprinter 4×4 unterwegs, schöner Ausbau den die 2 da haben, viel Platz. Es gibt mir Tipps für die Umgeben, am nächsten Tag mach ich auf den Weg nach Lalish.


Lalisch ist ein Tal im Norden des Iraks ca. 60 km nördlich der Stadt Mosul, in dem sich das zentrale Heiligtum der Jesiden befindet. Das bewaldete Tal liegt über 1000 m hoch und ist von den drei Bergen Hizrat, Misat und Arafat umgeben. Den Jesiden gilt Lalisch als der heiligste Ort und Zentrum der Schöpfung.




Wichtigstes Heiligtum in Lalisch ist die Grabstätte von Scheich ʿAdī ibn Musāfir, dem bedeutendsten Heiligen der Jesiden. Über ihr erhebt sich eine große Kuppel (Qubba), die von weither zu sehen ist. Ich treffe hier einen Priester der Jesiden und wir trinken Tee zusammen. Vor betreten des Dorfes muss ich meine Schuhe ausziehen, keiner hier im Dorf hat Schuhe an. Gerade als ich wieder gehen will treffe ich Familie die in Lalisch zu Besuch ist und werde zum Picknick eingeladen.



Dann mache ich mich auf den weg nach Alqosh, ein kleines Dorf indem überwiegend Christen leben. Ich besuche ich das Kloster Rabban Hormizd, es ist direkt in die Fels gebaut und viele unterirdische Tunnel und Grabkammern. Das Dorf Alqosch ist überwiegend von Assyrern (syrische Christen) bevölkert. Mitten im Dorf finde ich eine kitschig aufgemachte Weihnachtsgeschichte.





Es ist unglaublich heiss draussen, auf der Karte suche ich nach einem See und werde schnell fündig. Der Mosul Dam Lake ist nur wenige Kilometer entfernt. Es sind viele junge Leute hier. Manche zum schwimmen, zum fischen oder um ihre Mopeds zu waschen. Es führt eine Brücke über den See, die ist aber am Ende vom IS gesprengt worden. Ich verbringe die Nacht am See, hat ein bisschen was von Meeres feeling !








Ich hatte bei der Einreise keine genauen Vorstellungen was mich erwartet, etwas ungewissen bin ich drauf los gefahren. Ich muss sagen bin sehr positiv überrascht von Land und Leute, überall werde ich herzlich gegrüsst und aufgenommen. Viele sind sehr interessiert was ich hier mache, ob ich hier arbeite oder warum ich sonst hier bin. Die landschaftlich & geschichtlich hat der Nord Irak richtig was zu bieten, die Berge und Täler sind wunderschön. Jetzt ist es Zeit zu gehen, ich mache mich auf den Weg zur Türkischen Grenze. Tschüss Kurdistan, Tschüss Irak, war schön, bis zum nächsten mal.
Der Ibrahim Khalil Grenzübergang ist mein Einreisepunkt. Beim warten sehen ich wie jeder der aus dem Irak kommt Zigaretten schmuggelt, sie werden mit Klebeband um die Arme, den Bauch oder die Füsse gefunden. In jede noch so kleine Spalte im Auto wird eine Kippen Schachtel gesteckt.


Nach gut 2h warten ist es dann soweit, ich fahre vor, 2 Türkische Grenzbeamten rufen mir etwas auf Türkisch zu. Keine Ahnung was so wollen. Da kommt ein anderer Türke und fragt mich “Kommst du aus Deutschland ?” Ja antworte ich. “Du sollst dein Gepäck drinnen zum Scanner bringen” sagt er. Ok, danke. Die Gepäckkontrolle geht schnell. Ich öffne das Auto , die Beamten werfen einen schnellen Blick hinein, dann winken sie mich weiter. Am nächsten Checkpoint fragen sie nach der Autoversicherung und meinem Führerschein. Den hab ich schon lange nicht mehr vorzeigen müssen. Dann schicken sie mich zur Polizei Station, sie stempeln meinem Pass und ich kann weiter zur nächsten Station. Das ganze Auto muss durch eine überdimensionale Röntgenmaschine. Vor mir sind 2 weisse Kleinbusse, die halten sich ziemlich lange darin auf, dann fahren sie Rückwärts wieder raus. Die Zöllner finden ihn den Auto hunderte versteckte Zigaretten. Jetzt bin ich dran, an meinem Auto haben sie nichts zu meckern und drin bin ich Hey Türkei !

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